In seinem Soloprogramm steht Mock nicht gern allein auf der Bühne

Von Thorsten Remsperger

Hattersheim. Hans-Jürgen Mock versteht sein Handwerk. Der Kreativ-Direktor des Posthofkellers wechselt die Identitäten mit unterschiedlichen Kopfbedeckungen oder verstellten Stimmen, sorgt mit selbst geschriebenen Liedern, dem Einbeziehen des Publikums und einen Schuss Lokalkolorit für Abwechslung. Deshalb war es für den Hattersheimer an der Zeit für ein Solo-Programm, dass er „Dementia praecox“ nannte. Das ist der medizinische Fachbegriff für eine gespaltene Persönlichkeit und wurde von Mock aus humoristischem Grund gewählt: „Ich wollte einfach nicht alleine auf der Bühne stehen.“

Schizophrenie, das ist, „wenn man viele Leut’ im Kopp hat“, erklärt der Solist und spricht damit speziell die Okrifteler im nicht ganz gefüllten Keller an. Zum noch besseren Verständnis trägt Mock einen Nadelstreifenanzug, der genau in der Mitte die Farbe wechselt, hat ein Plakat des berühmten Norman Bates aus „Psycho“ aufgehängt. Die gespaltenen Persönlichkeiten sind für den Solisten jedoch nicht mehr als ein roter Faden, auf den er immer wieder zurückkommt. Ein Aufhänger für seine Zeitreisen, auf die er ständig abdriftet So vergleicht er Politiker, die erst Robin Hood seien und dann zum Sheriff von Nottingham mutierten, setzt sich auf einen falsch herum aufgestellten Stuhl, um den typischen CSU-Vertreter als Adam im Paradies zu vergleichen. Am Stuhl hat er dafür ein grünes Palmenblatt mit der Aufschrift „Schießer“ montiert.

Wenn Mock in seinen biblischen und märchenhaften Geschichten aufblüht, zieht er ständig Vergleiche mit heutigen Phänomenen – mal mehr, mal weniger lustig, mal eher brav, mal richtig makaber. Bei einer modernen Hexenverbrennung werde die Rauchbildung als gesundheitsschädlich angesehen, am Scheiterhaufen stehe ein Schild mit einer Warnung vor der globalen Erderwärmung, meint er beispielsweise. In seinem Lied über die zwölf Apostel berichtet Mock vom Sohn Gottes als „lausigen Geschäftsmann“. Mit Wasser im Wein hätte er auch zum König der „Flatrate-Partys“ werden können, findet er. Seine eigenen Songs sind eine Stärke in „Dementia praecox“, dem Motto, auf das er manchmal vielleicht zu abgedreht Bezug nimmt, so dass der Witz ein wenig auf der Strecke bleibt. Herzhaft gelacht wird aber meistens beim ureigensten Comedy-Thema: Dem Vergleich von Mann und Frau. Im Paradies wartete Adam sehnsüchtig auf sein Pendant, bekam erst Bertram, dann Christof, schließlich Dominik, und tauschte das Wesen doch noch in Eva ein „mit oben rum vorne einem Kamel auf’m Rücke’, aber ohne Haarn“. Der Wunsch Adams, dem weiblichen Geschöpf keine Stimmbänder zu geben, sei jedoch zu spät gekommen. So habe er sich schließlich den ganzen Tag das Geplapper anhören müssen, so Hans-Jürgen Mock – weil Eva ja noch keine Freundinnen und er noch keine Kumpels für die Skat-Runde hatte. (rem)

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